Ein Anruf von der vermeintlichen Polizei, eine SMS von der eigenen Bank, ein verlockendes Kaufangebot in einer Kleinanzeige: Betrugsversuche erreichen uns heute über viele Kanäle gleichzeitig, und sie werden zunehmend professioneller. Diese Maschen kenne ich aus meinem Hauptjob im Bankwesen. Genau deshalb liegt mir dieses Thema besonders am Herzen, gerade für Vereine mit vielen Mitgliedern der älteren Generation. Sie werden häufig gezielt ins Visier genommen.
In diesem Artikel stelle ich Ihnen die häufigsten Betrugsmaschen vor und zeige Ihnen, woran Sie sie erkennen.
Der Schockanruf
Beim Schockanruf meldet sich jemand telefonisch mit einer erfundenen Notlage: ein Unfall in der Familie, eine Verhaftung, eine dringende Kaution. Die Anrufer setzen bewusst auf Zeitdruck und Emotionen, damit Ihnen keine Zeit zum Nachdenken oder Nachfragen bleibt.
So schützen Sie sich
- Nie Bargeld übergeben: Echte Behörden oder Gerichte fordern niemals Bargeld oder Wertsachen an der Haustür oder an einem vereinbarten Übergabeort.
- Selbst zurückrufen: Legen Sie bei einem verdächtigen Anruf auf und rufen Sie das betroffene Familienmitglied unter der Ihnen bekannten Nummer selbst zurück.
- Erst prüfen, dann handeln: Im Zweifel gilt bei mir immer derselbe Grundsatz: erst mit einer Vertrauensperson sprechen, dann handeln.
Der Enkeltrick
Eng verwandt mit dem Schockanruf ist der klassische Enkeltrick. Eine fremde Person gibt sich als Enkelkind, Nichte oder Neffe aus und bittet unter einem Vorwand um eine größere Geldsumme, oft verbunden mit der Bitte, niemandem davon zu erzählen.
So schützen Sie sich
- Geheimhaltung ist ein Warnsignal: Echte Familienmitglieder bitten selten überraschend und unter Geheimhaltung um größere Geldbeträge.
- Kontrollfrage stellen: Eine einfache Kontrollfrage, die nur die echte Person beantworten kann, entlarvt den Betrug meist sofort.
- Kein Bargeld an Unbekannte: Bargeldübergaben an unbekannte Abholer sind für mich immer ein klares Warnsignal.
Phishing-Mails und -SMS
Phishing-Nachrichten geben sich als bekannter Absender aus, meist als Bank, Paketdienst oder Behörde, und wollen Sie über einen Link zur Eingabe Ihrer Zugangsdaten verleiten. Ein typisches Beispiel ist eine SMS, die angeblich zur dringenden Erneuerung von pushTAN auffordert, oder eine E-Mail, die scheinbar von Ihrer örtlichen Bank stammt und vor einer gesperrten Karte warnt. Aus meiner Erfahrung im Bankwesen weiß ich: Häufig ist eine solche Nachricht erst der Auftakt, dem dann ein Anruf des vermeintlichen Bankmitarbeiters folgt, mehr dazu im nächsten Abschnitt.
So schützen Sie sich
- Links nicht anklicken: Klicken Sie nicht auf Links in unerwarteten Nachrichten von Banken, Paketdiensten oder Behörden, sondern rufen Sie die Website Ihrer Bank direkt über die bekannte Adresse oder App auf.
- Absender genau prüfen: Achten Sie auf Absenderadresse und Anrede: Kleine Abweichungen in der Domain oder eine unpersönliche Anrede sind häufige Warnzeichen.
- Direkt bei der Bank nachfragen: Fragen Sie bei einer angeblichen pushTAN-Erneuerung oder Kartensperrung im Zweifel direkt bei Ihrer Bank über die bekannte, offizielle Telefonnummer nach, nicht über eine in der Nachricht genannte Nummer.
Der vermeintliche Bankmitarbeiter
Hier gibt sich jemand am Telefon oder per E-Mail als Mitarbeiter Ihrer Bank aus und behauptet, es gebe eine verdächtige Abbuchung oder ein Sicherheitsproblem. Häufig geht diesem Anruf genau die Phishing-Mail oder -SMS von oben voraus, die erst das nötige Vertrauen oder die Verunsicherung schaffen soll. Ziel ist es, an Ihre Zugangsdaten, TAN-Nummern oder eine Freigabe für eine Überweisung zu gelangen. Das ist mir aus meiner Zeit im Bankwesen bestens vertraut: Eine echte Bank arbeitet grundlegend anders.
So schützen Sie sich
- Keine Zugangsdaten nennen: Eine echte Bank fragt niemals aktiv nach vollständigen Zugangsdaten, PINs oder TAN-Nummern, weder telefonisch noch per E-Mail.
- Selbst zurückrufen: Legen Sie bei Zweifeln auf und kontaktieren Sie die Bank über die Ihnen bekannte, offizielle Telefonnummer selbst, nicht über eine im Anruf oder in der E-Mail genannte Nummer.
- Keine TAN freigeben: Geben Sie keine TAN frei, die für einen Vorgang bestimmt ist, den Sie nicht selbst ausgelöst haben.
Der Microsoft-Support-Betrug
Bei dieser Masche meldet sich angeblich der technische Support eines bekannten Softwareunternehmens, häufig per Pop-up-Meldung am Bildschirm oder per Anruf, und behauptet, Ihr Computer sei infiziert oder gehackt. Ziel ist meist ein Fernzugriff auf Ihren Rechner oder eine kostenpflichtige „Reparatur".
So schützen Sie sich
- Unaufgeforderte Anrufe ablehnen: Seriöse Unternehmen wie Microsoft rufen nicht unaufgefordert an, um vor einem Computerproblem zu warnen.
- Keine Fernzugriffssoftware installieren: Installieren Sie niemals eine Fernzugriffssoftware auf Anweisung eines unbekannten Anrufers.
- Pop-up nicht vertrauen: Eine Pop-up-Warnung im Browser mit Telefonnummer ist so gut wie immer selbst der Betrugsversuch, nicht eine echte Systemmeldung.
Der Kleinanzeigen-Betrug
Beim Kauf oder Verkauf über Online-Kleinanzeigen bereiten Betrüger im Chat der Plattform oft zunächst eine bestimmte Zahlungsart vor, etwa mit dem Hinweis, es werde "mit Käuferschutz" bezahlt und eine Bestätigung folge per E-Mail oder SMS. Die eigentliche Falle kommt dann meist getrennt vom Chat: eine SMS oder Nachricht mit einem Link zu einer angeblichen "Sicher bezahlen"-Funktion. Tatsächlich landen Sie auf einer täuschend echt nachgebauten Phishing-Seite, auf der beim Eingeben Ihrer Zahlungs- oder Zugangsdaten genau diese abgegriffen werden. Auch eine klassische Vorkasse für Ware, die nie ankommt, ist eine gängige Variante. Umgekehrt kommt es auch vor, dass Käufer angebliche Zahlungsbestätigungen schicken, die nicht echt sind.
So schützen Sie sich
- Zahlungslinks nicht anklicken: Öffnen Sie keine Links zu einer angeblichen "Sicher bezahlen"-Funktion, egal ob sie im Chat, per SMS oder E-Mail ankommen, diese führen häufig auf nachgebaute Phishing-Seiten statt auf die echte Plattform.
- Nur über die Plattform zahlen: Wickeln Sie Zahlungen und Versandbestätigungen ausschließlich über die offizielle Plattform der Kleinanzeigen ab, nicht über zugesandte externe Links.
- Vorsicht bei Vorkasse: Seien Sie bei Vorkasse-Forderungen unbekannter Verkäufer besonders vorsichtig, gerade bei ungewöhnlich günstigen Angeboten.
- Persönlich übergeben: Bei größeren Beträgen bleibt für mich die persönliche Übergabe gegen Bargeld die sicherste Variante.
Gemeinsamer Nenner
So unterschiedlich diese Maschen im Detail sind, sie folgen bei mir immer demselben Muster: Zeitdruck erzeugen, Vertrauen vortäuschen und die Kontaktaufnahme mit einer echten Vertrauensperson verhindern. Wer sich diesen Moment bewusst macht und im Zweifel eine Pause einlegt, entzieht den meisten Betrugsversuchen bereits die Grundlage.
Unseriöse Online-Shops folgen ähnlichen Mustern, dazu mehr in einem der nächsten Artikel.
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